Rautenschätze

Eintrittskarten und Pins, Autogrammkarten und Freundschaftsschals oder auch Unterhosen, die ob ihrer magischen Kräfte immer dann angezogen werden, wenn ein ganz besonders wichtiges Spiel ansteht: Fußball-Fans sind im Besitz wahrer Schätze. Auch  Mitglieder der Braunschweiger Raute verfügen über echte Kostbarkeiten. Wir stellen sie vor. Bisher sind in dieser Serie erschienen:

Folge 1 / Marcus und sein Landesmeister-Leibchen

Die goldenen achtziger Jahre: 36 Bundesliga-Spiele in Folge ohne Niederlage, Titel en masse und eine Mannschaft, die über viele Jahre dem Verein die Treue schwor – bei den Erinnerungen an diese Zeit wird es jedem HSV-Fan warm ums Herz. Rauten-Mitglied Marcus spürt das schöne Gefühl jeden Tag – nämlich immer dann, wenn er auf das kostbare Leibchen blickt, das die Wand seines Arbeitsbüros ziert.

Denn in diesem Trikot mit dem legendären Aufdruck des damaligen Hauptsponsors BP erlebte der HSV die erfolgreichste Zeit seiner Vereinsgeschichte, gekrönt vom Gewinn des Europapokals der Landesmeister im Mai 1983 in Athen. Dass die Devotionalie aus dieser Zeit stammt, davon zeugen die Unterschriften der Spieler: Von Kaltz bis Magath, von Stein bis von Heesen – sie alle haben sich mit einem dicken Filzer verewigt.

Die Geschichte, wie Marcus an seine Habseligkeit gekommen ist, klingt schier unglaublich. „Eines Tages sagte mein Arbeitskollege, dass er seinen Keller entrümpelt und dabei so ein altes Trikot entdeckt hätte – und ob ich es haben wollte.“ Marcus wollte. Und wie. Seitdem macht jeder, der sein Büro betritt und etwas von Fußball versteht, große Augen. Selbst die Werder-Kollegen staunen.

Selbstredend, dass Marcus sich Zeit seines Lebens nie von dem guten Stück trennen wird. Für kein Geld der Welt. „So einen Schatz bei Ebay zu verkaufen – das geht gar nicht.“

Folge 2 / Henning und seine hohe Kunst der Duplomatie

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, da hatten Fußballprofis noch keine Berater. Weswegen sie allerlei Sachen von sich verrieten, deren Preisgabe aus heutiger Sicht als grob fahrlässig einzustufen wäre. Weil die Imagewerte aber sowas von tief in den Keller sinken würden. Wie bitteschön lautet Ihre Lieblingssängerin, Herr Dorfner? Nicki? Hansi, Du bist a bayrisches Cowgirl!

In den Alben von Rauten-Mitglied Henning zu schmökern, macht Riesenspaß. Seine Sammlung ist einfach fantastisch. Als Elfjähriger hat er angefangen, die Klebebildchen zu sammeln, die Ferrero zu großen Turnieren mit jedem Duplo und Hanuta verkauft. Henning nennt tatsächlich jedes Sammelalbum, das seit 1982 zu Welt- und Europameisterschaften auf den Markt gekommen ist, sein Eigen. Er hat sie alle komplett und jedes Bild sorgfältig an die Stelle geklebt, wo es hingehört. Eine großartige Leistung. „Wenn man eine große Familie hat und Vater, Schwester und der beste Kumpel auch sammeln, dann geht das ratzfatz“, wiegelt Henning ab.

Insbesondere die älteren Alben bieten köstliche Einblicke in das Privatleben der Nationalspieler der achtziger Jahre. Das Lieblingsessen von Felix Magath? Fleisch. Sein Lieblingssänger? Robert Long. Und Lothar Matthäus hat am liebsten Schweinebraten mit Klößen auf dem Tisch. Musikalisch zeigt sich die deutsche Nationalmannschaft, die 1982 Vize-Weltmeister wurde, wenig abwechslungsreich. Von Eike Immel über den schönen Hansi bis Litti legt die Hälfte der Spieler am liebsten Peter Maffay auf den Plattenteller. Allen guten Ratschlägen von Ernährungswissenschaftlern aus dem Weg geht Toni Schumacher. Seine Leibspeise: der Big Mac. Was Jupp Derwall davon hielt und ob er Olaf Thons Hobby Schlafen goutierte, ist nicht überliefert.

Es kann Henning gar nicht hoch genug angerechnet werden, diese Perlen der Vergangenheit in die Gegenwart gerettet zu haben und auch in Zukunft seine Sammelleidenschaft weiter ausüben zu wollen. Seine Taktik: zu tauschen, bis das Album voll ist. Die fehlenden Bilder für ein paar Euro nachzubestellen, käme ihm nicht in den Sinn. Der dreifache Familienvater: „Das kann ja jeder und wäre total albern.“